echt evangelisch borghorst

Rückblicke Veranstaltungen des Ev. Sozialseminares und des Kath Bildungswerkes

Kirchenmusik

Einen hochinteressanten „Ausflug“ in die Kirchenmusik erlebten die rund 30 Besucher des Abends mit dem Thema “Die Geschichte des Kirchenliedes vom Choral bis zum Neuen Geistlichen Lied” von evangelischem Sozialseminar und katholischem Bildungswerk in der Erlöserkirche mit Kirchenmusiker Rafael D. Marihart von der St. Gertrudis Gemeinde Horstmar. Mit vielen Beispielen unter Beteiligung der Zuhörer gesungen und am E-Piano begleitet machte er die Entwicklung des Gesangs in den Messfeiern und Gottesdiensten deutlich, denn gesungen worden sei von Anfang an – schon Paulus habe Psalmen, Lobgesänge und geistliche Lieder erwähnt.

Ab dem 4. Jh. hätten dann führende Kirchenväter dem Gemeindegesang einen großen Stellenwert gegeben. So hätte Bischof Ambrosius von Mailand dazu Antiphonen und neu gedichtete Hymnen eingeführt (Ambrosianischer Gesang). Ende des 6. Jh.s führte Papst Gregor I. eine Reform der römischen Liturgie durch mit einer Vereinheitlichung der in der Liturgie verwendeten Melodien und Texte, die. als Gregorianischer Choräle für die römische Kirche verbindlich gemacht worden seien und für die auch eine erste, die sog. quadratische Notenschrift entwickelt worden sei.

In karolingischer Zeit entstanden zu den offiziell sanktionierten Chorälen verschiedene Arten von Ergänzungen und Modifikationen, die als Tropus bezeichnet werden. Und auch erste volkssprachliche Kirchenlieder seien entstanden durch Erweiterung der Bittrufe (Kyrieleis) der Gemeinde um Vorstrophen  und volks- oder gemischtsprachliche Umdichtungen lateinischer Hymnen. Musikalisch hätten sich diese Kirchenlieder zwischen Gregorianischem Gesang und geistlichem Volkslied bewegt.

Hohe Bedeutung habe das volkssprachliche Kirchenlied dann unter Martin Luther bekommen. Allerdings seien erste volkssprachige Gesangbücher schon vor 1420 in Böhmen entstanden. Die schnelle Verbreitung der Lieder Luthers sei dadurch gefördert worden, dass sie auf Flugblättern gedruckt wurden.

Bald danach kam eine Orgelbegleitung dazu und Choralvorspiele. Im 18. Jh. wurde der Gesang feierlicher – langsamer. Zudem entstanden Liedmessen. Bis schließlich nach dem 2. Weltkrieg wieder die Gregorianischen Gesänge Bedeutung erlangten, andererseits aber auch einprägsamere Melodien und einfachere Gesänge hinzugekommen seien, so Rafael D. Marihart.

Den ganz herzlichen Dank an den Kirchenmusiker verband Anton Janßen mit einer Einladung zum Konzert am 2. März 2018, bei dem Cornelia Becken (Flöte) und Rafael D. Marihart (Orgel) Kompositionen in der Tradition der französischen Romantik und frühen Moderne in der St. Gertrudis Kirche zu Gehör bringen.

  Janßen, Horstmar

Weinseminar mit Verkostung

Weißweine, die an den Steilhängen der Mosel wachsen, insbesondere Rieslinge standen im Mittelpunkt des Weinseminars von evangelischem Sozialseminar und katholischem Bildungswerk. Dabei bereitete Anton Janßen den Weinfreunden einen genussvollen informativen Abend mit einer Mischung aus Weinkunde und vielen Bildern der Landschaft, in denen die Trauben der an diesem Abend verkosteten Weine wuchsen.

Das Weinbaugebiet Mosel sei das Gebiet der Rekorde, heiße es in der Mosel-Werbung, so Anton Janßen, nämlich das älteste Weinbaugebiet in Deutschland; das Weinbaugebiet mit den meisten Steillagen; mit einer imposanten Hangneigung von 65 Grad ist der Bremmer Calmont der steilste Weinberg der Welt und weltweit das größte Anbaugebiet für Riesling mit einer Anbaufläche von über 5.000 ha. Letztere Aussage relativierte er allerdings, denn 2008 habe die Pfalz die Mosel überholt. 2016: Mosel 5387 ha Riesling Pfalz 5814 ha. Aber Bilder von drei ausgegrabenen Römischen Kelter-Anlagen – Piesport, Brauneberg und Erden – belegten, dass schon die Römer hier umfangreichen Weinbau betrieben hätten. Und Fotos vom „Bremmer Calmont“ zeigten die Weinbau-Einzellage mit einer Hangneigung bis über 65 Grad, eine der steilsten Lagen der Erde. Aber auch wie mühsam hier die Arbeit in den Reben ist, die man ein klein wenig erleichtere durch die Einzelpfahl-Erziehung statt Reihen-Erziehung.

Durch den ganzen Abend aber zog sich die Weinverkostung, bei der zunächst in trockener Geschmacksrichtung die Hauptrebsorten Elbling als älteste, Rivaner als älteste sog. Neuzüchtung, Weißburgunder als an der Mosel noch sehr junge Rebsorte und schließlich der(!) Moselwein der Riesling. Und der wurde dann über die Qualitätsstufen vom Kabinett bis zur Auslese und von trocken über halbtrocken, feinherb (an der Mosel meist mit höherem Restsüße-Gehalt als halbtrocken) bis süffig „durchdekliniert“.

Dazwischen zeigte und erläuterte Anton Janßen Bilder der verschiedensten bedeutenden Weinbergslagen an der Mosel, von hübschen Winzerhäusern in den Dörfern mit dem Höhepunkt reichverziertes Fachwerk in Bernkastel. Dazu stellte er die „Unterwelt“ von Traben-Trarbach vor: Die Stadt Traben-Trarbach habe sich nämlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wegen der großen Nachfrage an Riesling-Weinen und den Exporten insbesondere nach Großbritannien und Übersee zum zweitgrößten Weinumschlagplatz Europas nach Bordeaux entwickelt. Daher wurde damals die Lager-Kapazität der Traben-Trarbacher Weinkeller vergrößert, indem große Flächen des Stadtkerns mit teilweise mehrstöckigen und über 100 Meter langen Gewölben unterkellert wurden, in denen über 15 000 Fuder (1 Fuder sind 1000 l – Fuderfass).

Mit viel Applaus bedankten sich die „Genießer“ für diesen wieder überaus gelungenen Abend bei Anton Janßen. Und für 2019 versprach er, wenn seine Gesundheit es zuließe, Spätburgunder Rotweine aus verschiedenen Deutschen Rotwein-Anbaugebieten vorzustellen, wieder am Mittwoch vor Weiberfastnacht.  

Janßen, Horstmar